Steißbeinbeschwerden

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient

Als Coccygodynie bezeichnet man Schmerzen im Bereich des Steißbeins (Os coccygis, Coccyx). Anatomisch wird das untere Ende der Wirbelsäule durch das Steißbein gebildet und folgt dem Kreuzbein. Es besteht aus 2 bis 5 meist miteinander verschmolzenen Wirbeln. Blickt man auf die Entwicklungsgeschichte, so entspricht das Steißbein dem knöchernen Rest des ursprünglichen Schwanzes beim Tier. Die eingeschmolzenen Wirbel sind mehr oder weniger über sogenannte Synostosen fest miteinander verbunden. Bei manchen Menschen kann das Steißbein im Sitzen bis zu 20 Grad abknicken, was sich im Stehen wieder normalisiert.

Coccygodynie

Eine Coccygodynie tritt in erster Linie im Sitzen auf, Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Die Ursachen sind meist unklar und können unterschiedlichster Art sein.Am Häufigsten schildern die betroffenen Patienten:

 

  • Sturz mit Prellung im Gesäßbereich in der Vorgeschichte
  • Bei Frauen Beginn der Schmerzen nach einer langen, schwierigen Entbindung
  • Wiederholtes, längeres Sitzen auf vor allem harten Unterlagen

 

Jedoch können auch angeborene anatomische Fehlstellungen und Irritationen im Bereich der Muskelansätze oder Verstopfung eine Rolle spielen. In der Regel resultiert aus den Ursachen eine unspezifische Reizung der Knochenhaut (Periost) und somit der Ursprung der Schmerzen.

Bevor man die Behandlung bei uns beginnt, sollten neurologische oder rektale Ursachen für den Schmerz abgeklärt worden sein, da es wichtig ist, andere Ursachen für den geschilderten Schmerz auszuschließen.

Diagnose

Zur Diagnose gelangt man zum einen durch die Schilderung der Beschwerden des Patienten, zum anderen durch die klinische Untersuchung der betroffenen Region. Dabei kann auch das Abtasten des Steißbeins durch das Rektum erfolgen und eine evtl. vorhandene Überbeweglichkeit festgestellt werden. Trotz der unterschiedlichen Steißbeinformen ist es sinnvoll, eine Röntgendiagnostik durchzuführen. In der seitlichen Röntgenaufnahme sind häufig Fehlstellungen zu erkennen. In besonderen Fällen sollte auch noch eine Funktionsaufnahme im Sitzen als Vergleich durchgeführt werden.

Konservative Behandlung

Die Behandlung der neu aufgetretenen Coccygodynie sollte immer zunächst konservativ erfolgen.

Neben entzündungshemmenden Medikamenten sollte im Sitzen eine Entlastung durch ein Sitzkissen in Form eines Ringes erfolgen. Langes Sitzen sollte generell vermieden werden. Bei einer Beschwerdedauer von länger als 6 Wochen empfehlen wir zusätzlich Krankengymnastik im Sinne von Beckenbodengymnastik. Auch kann die chirotherapeutische oder osteopathische Mobilisation bei Subluxationen des Steißbeins hilfreich sein.

Bei einer Schmerzdauer von länger als 3 Monaten mit der Gefahr der Chronifizierung empfehlen wir die Infiltration des betroffenen Gebietes mit Lokalanästhetika und Triamcinolon zur Nervenblockade (Ganglion impar). Dadurch soll es zu einer Beruhigung und dauerhaften Linderung der Schmerzen kommen. Auch sind Verfahren wie Blockaden durch Kälte (Kryodenervierung) oder Wärme (Thermodenervierung) beschrieben.

Operative Behandlung

Zeigen die Beschwerden trotz einem Jahr konsequenter konservativer Therapie keine wesentliche Besserung und ergeben die klinischen und radiologischen Befunde mit positiver Testinfiltration ein rundes Bild, ist die operative Entfernung des Steißbeins (Coccygektomie) anzuraten. Während die Operation in älterer Literatur noch als sehr umstritten dargestellt wird, da die Schmerzen häufig als psychogen beschrieben wurden, zeigen neuere Studien bei richtiger Indikation und Patientenauswahl gute Ergebnisse bei mehr als 80% der Patienten.

Coccygektomie

Bei der Coccygektomie (operative Entfernung des Steißbeins) wird über einen kleinen Schnitt der bewegliche Teil des Steißbeins entfernt und die Nerven verödet. Gefahren dabei sind vor allem Wundheilungsstörungen und Infekte. Auch können Darmverletzungen auftreten. Manchmal tritt der Erfolg auch erst wenige Monate nach der Operation auf.

 

OP Narbe mit y-förmigen Hautschnitt zur Vermeidung von Infektionen